Du oder Sie? – Teil 1: Neulich im Hotel

Du_Rezeption_flachKürzlich betrat ich das Foyer eines neuen schicken Hotels in der Kölner Innenstadt. Im obersten Stockwerk des Hotels befindet sich ein ebenfalls neues, trendiges Restaurant, wo ich zu einer Geburtstagsfeier eingeladen war. Da ich nicht wusste, wo es langging, schritt ich hoffnungsvoll auf die Rezeption zu, von wo aus mich eine junge Frau einladend anlächelte. „Du nimmst den Fahrstuhl da drüben und deinen Mantel kannst du gleich hier an der Garderobe abgeben“, erklärte sie mir. Da musste ich erstmal schlucken. Nicht weil ich eine Fahrstuhl-Phobie hätte, sondern wegen der Anrede. „Du“ an der Hotelrezeption? Leicht irritiert erreichte ich die Garderobe, an der ich dann von einem freundlichen jungen Mann ebenfalls geduzt wurde. Diesmal schaltete ich schneller. „Duzen Sie denn jeden, der hier reinkommt?“, fragte ich ihn. „Ja“, erklärte er mit gleichbleibender souveräner Freundlichkeit, „Es gehört zu unserer Unternehmensphilosophie, die Gäste persönlich anzusprechen, sie sollen sich bei uns wie zu Hause fühlen.“

Du_Socken_kleinAlso, wenn ich persönlich mich wie Zu Hause fühlen will, dann bleibe ich zu Hause, ziehe meine ollen Socken an und lege mich aufs Sofa! Heute aber will ich einen schicken Abend im öffentlichen Raum verbringen. Und dazu gehört für mich auch eine Prise erfrischende Distanz mit einem smarten „Sie“. Im Dachrestaurant angekommen, hatte ich einen wunderbaren Abend. Das Gemisch aus Staunen und Ärger über das „Du“ in der Hotel-Lobby war schnell vergessen. Aber das Thema hat mich seitdem in immer kleineren Schritten wieder eingeholt …

Entscheidung über Nähe und Distanz

Als nächstes fiel mir auf, dass mich die Website vom Hermes-Versand duzt. Dann die Verpackung einer veganen Suppe, die ich wegen hoher Qualität und niedriger Kalorienzahl schätze: „Deine Gelbe Linsensuppe lässt sich in nur wenigen Schritten in ein super leckeres Curry verwandeln.“ Und nach einem Update des Betriebssystems tut es auch mein eigener Laptop – Er duzt mich, wenn ich ihn ausschalten will. (Ebenso diese Website, wenn Sie einen Kommentar abgeben wollen, das kann ich nicht mal ändern.)

Ganz ehrlich: Ich finde das jetzt doch langsam ein bisschen respektlos! Beim „Sie“ oder „Du“ geht es um Distanz oder Nähe. Und ich möchte gerne selbst entscheiden, wie nah ich die Firma Apple, Hermes oder „Oma Josefine Bioprodukte“ aus Rieslingen an mich heranlassen will. Schließlich bin ich hier die Kundin! Soweit meine Einstellung. Aber wie sehen das andere? Und welche gute Absicht steckt hinter dem flächendeckenden „Du“? Vielleicht gibt es tatsächlich viele Menschen, die das „Du“ grundsätzlich angenehmer und das „Sie“ abgehoben und unpersönlich finden? Und wie gehen wir mit diesen unterschiedlichen Bedürfnissen um? Eines ist schon sicher: Die allgemeine Knigge-Regel, dass Fremde erstmal zu siezen sind, bis der Ranghöhere oder die Ranghöhere das Du anbietet, ist Geschichte. Inzwischen kann ein „Sie“ manchmal sogar schon falsch sein. Welche Regeln gelten aber jetzt? Woran können wir uns orientieren? Lesen Sie dazu den nächsten Blogbeitrag …

Du oder Sie? – Teil 2: Eine Image-Frage

Du oder Sie? – Teil 3: Arbeitsplatz ist anders!

 



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