Gute Farben, schlechte Farben

„Grün hebt“, „Apricot schmeichelt dem Teint“ und „Indigo steht einfach jeder Frau“ – das sind Sätze, die ich einst von Tante Jenny gehört oder kürzlich im Modeteil von Frauenzeitschriften gelesen habe. Wenn zwei so unterschiedliche Quellen jeweils pauschale Regeln über Farben aufstellen – und das mit Überzeugung und über Jahrzehnte ungebrochen – heißt das dann, dass solche Urteile stimmen?

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Schlechte Farben für mich …

Apricot ist gefährlicher als Sie denken …
Aus meiner Sicht als Farbberaterin handelt es sich bei den zitierten Sätzen um zwei falsche und eine – fast – richtige Aussage. Am falschesten ist das mit Apricot. Sicher, die meisten von uns hätten gerne zart schimmernde Wangen wie Wonneproppen Katy Perry in einem Hauch von Trockeneisnebel. Der Umkehrschluss aber – also zu hoffen, dass eine Bluse in Apricot für ebensolche Wangen sorgt, ist heimtückisch! Bei den meisten Menschen bewirkt sie nämlich das Gegenteil, sie lässt die Haut fahl und die Augen müde wirken. Warum? Das liegt an dem hohen Gelbanteil dieser Farbe, der ist für die Mehrheit von uns leider nicht das Gelbe vom Ei (siehe auch Foto links).

Ziemlich wahr ist hingegen der Satz über Indigo, jenes tiefe, matte Blau mit einem Schuss Violett. An fast allen Frauen und Männern in Mitteleuropa sieht es einigermaßen, und an vielen sogar richtig gut aus. Mit Grün ist das dann wieder so eine Sache. Erst einmal stellt sich die Frage: Was für ein Grün haben wir vor uns? Hell, dunkel, gelblich oder bläulich? Die Unterschiede können für das Individuum verheerend sein …

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Gute Farben für mich!

Die richtigen Farben machen 3 bis 5 Jahre jünger
Des einen gute ist des anderen schlechte Farbe. Wenn Sie herausfinden wollen, welche Ihnen wirklich stehen, dann hilft eigentlich nur eine professionelle Farb-Analyse. Aber – ich verrate Ihnen hier, wie Sie sich auch ein wenig selbst helfen können: Achten Sie in verschiedenfarbigen Kleidungsstücken auf Unterschiede im Gesicht. In welcher Farbe strahlen Augen und Haut frischer? Und kann es vielleicht sein, dass Sie beim Tragen von manchen Blusen, Shirts oder Pullis plötzlich Schatten unter Ihren Augen entdecken? Oder eine harte Linie rechts und links zwischen Nase und Mund (Fachbegriff: Nasobialfalten)? Keine Sorge, das ist nicht der wahre Zustand Ihres Gesichts! Es liegt auch nicht am Streß oder dem Alter. Es ist die Farbe, und zwar die falsche! Die richtigen Farben machen 3 bis 5 Jahre jünger, verleihen Ihnen Präsenz und Frische. Sie lassen kleine Schönheitsfehler in den Hintergrund treten – und alle Tanten und Pauschal-Experten, die behaupten „Apricot schmeichelt dem Teint“ einfach verstummen!


Durch die schwarze Brille

Schon seit langem treibt sie sich in deutschen Gesichtern herum – die schwarze Brille. Wie ein gut angepasster Virus verwandelt sie dabei immer wieder ihre Gestalt: Bei ihrem ersten Auftreten war sie flach und rechteckig mit wuchtig breiten Bügeln. Dann zeigte sie sich als Nerd-Brille, immer noch mit dickem Rand, jetzt aber rund nach unten ausgebeult wie der Po einer geliebten alten Trainingshose. In letzter Zeit ist die schwarze Brille sehr kreativ geworden: Es gibt sie nun rund, rechteckig, groß, klein oder als Schmetterling. Zeit also, einmal die Frage zu stellen: Wem steht sie eigentlich, die schwarze Brille?

Auf die Augenbrauen kommt es an

Andrej Radonic, Vorstand www.intersales.de

Andrej Radonic, Vorstand http://www.intersales.de

Die flache gerade Variante ist ganz bestimmt ein Instrument des Trend-Teufels, das er ausgesandt hat, um zarte Blondinengesichter zu verwüsten. Was Farbe und Wuchtigkeit des Modells nicht zerstören können, das erledigt die oben gerade abgeschnittene Form: Sie zerlegt die Augenpartie in zwei Ebenen. Da geht nicht einmal die Gleichung „häßlich = klug aussehend“ auf. Frauen mit hellen Haaren und feminin geschwungene Augenbrauen sollten sich also vor diesem Modell hüten. Aber haben Sie vielleicht einen Mann, der ein bisschen kurzsichtig ist? Mit dunklen Haaren und geraden Augenbrauen? Dann kaufen Sie ihm so eine Brille! Für diese Typen ist sie nämlich gemacht. Bei ihnen sieht sie immer so gut aus wie auf der Nase von Andrej Radonic im Bild links.

Für jedes Gesicht die passende Form

Die Nerd-Brille funktioniert gut an schmalen Köpfen. Große rechteckige Formen sind günstig für runde, volle Gesichter. Und schwarze Schmetterlingsbrillen sind auf feminine Weise schick an … dunkelhaarigen Frauen! Da macht es „Klick“, oder?

Ljubica Kenk, Inhaberin www.vomfass-koeln.de

Ljubica Kenk, Inhaberin http://www.vomfass-koeln.de

Was wir uns direkt ins Antlitz setzen, sollte zu etwas passen, das schon von Natur aus dort wohnt. Die Haarfarbe ist – sofern sie echt ist – ein guter Ansatzpunkt. Schönes Beispiel: Ljubica Kenk und ihre Brille führen eine richtig gute Beziehung.

Alle Blondinen und Brünetten, die nach dieser Betrachtung jetzt eine neue Sehhilfe wollen, möchte ich ermutigen, durch die schwarze Brille hindurch zu schauen: Was sehen wir auf der anderen Seite? Neue Trends! Jetzt kommen verstärkt Rot, Apricot, Taupe und transparente Materialien. Alles, was transparent ist, ist leichter und bei zarten Gesichtern deshalb schöner. Das gilt sogar für Apricot: Als Bluse oft fatal, aber direkt im Gesicht – schmeichelhaft!