No Dresscode – Was nun?

Zuerst Daimler, dann Rewe und jetzt auch bei der New Yorker Investmentbank Goldman-Sachs: Der klassische Business-Dresscode ist aufgehoben! Bei Start-ups und in der IT-Branche heißt es eh schon länger: „Das Anzug- und Krawatte-Spiel machen wir nicht mit!“ Jetzt gilt also auch bei Konzernen: No Dresscode. 

Foto_DresscodeAber was nun anziehen? Die klassischen Kleiderregeln waren leicht zu befolgen: Anzug plus helles Hemd plus Krawatte plus schwarze (!), feine Lederschuhe. Eine Uniform, hinter der Mann sich gut verstecken konnte. Ein Dresscode ist tatsächlich so etwas wie eine Formel, die die in einem bestimmten Umfeld erwünschte Kleidung beschreibt. Dresscodes können explizit formuliert werden (z. B. „Black Tie“auf der Einladung zu einer Gala) oder auch etwas unausgesprochen Übliches sein.

Fällt jetzt der gesetzte Rahmen durch die Business-Formel weg, besteht die Gefahr, dass routinierte Anzugträger stilistisch ins Bodenlose fallen. Sind die Alternative Jeans und Schlabberpullover, mit der der Manager samstags einkaufen geht? Weil sie wohl ahnen, dass es das nicht sein kann, halten zumindest in den deutschen Führungsetagen die Herren bei der neuen Lässigkeit den Ball flach: Sie tragen ihre gewohnten Anzüge und Hemden und lassen einfach nur die Krawatte weg. 

Die neue Freiheit zeigt sich als Lücke

Damit haben sie aber einen neuen Dresscode entwickelt. Die Formel lautet jetzt: Anzug plus weißes Hemd minus Krawatte. Die neue Freiheit zeigt sich hier also nur in Form einer Lücke. Schade! Auch deshalb, weil das weiße Hemd ohne Krawatte vitale Alpha-Tiere plötzlich blässlich aussehen lässt. Weiß ist leider eine Farbe, die nur wenigen Menschen gut steht. Bei der bislang gültigen Männeruniform wurde die bleichende Wirkung von weißen Hemden durch die farblich meist dunklere und kräftigere Krawatte abgemildert. Jetzt fehlt da etwas …

Freiheit und Individualität sehen anders aus. Jaaa, in der Post-Dresscode-Ära geht es mehr denn je darum, eine individuell stimmige Kleider-Lösung zu finden! Wenn die vorgeschriebene Uniform keine Entschuldigung mehr bietet für Kleidungsstücke, die dem Träger oder der Trägerin nicht stehen, dann müssen karriereinteressierte Menschen die Entdeckungsreise zum eigenen Stil antreten. Welche Farben? Welche Materialien? Auch Muster? Welche Kleidungsstücke und Accessoires überhaupt? Moderne Business-Kleidung passt zur Persönlichkeit und zu den eigenen Farben und Körperstrukturen.

Tipps für Männer

  • Probieren Sie unbedingt neue Hemdenfarben aus. Alles, was dunkler und bunter ist als Weiß. Vorschlag für Vorsichtige: Nehmen Sie ein strahlend hellblaues Hemd, die Farbe steht relativ vielen Menschen gut, also wahrscheinlich auch Ihnen.
  • Ziehen Sie ganz neue Kleidungsstücke in Betracht, um Ihre Individualisierung voranzutreiben: Pullover und Pullunder, Lederjacken und hochwertige (!), gut sitzende T-Shirts, schöne Schals, gut sitzende Westen, falls Sie ein klassischer Typ sind.

Tipps für Frauen

Für Frauen ist die neue Lässigkeit etwas einfacher, da ihre Kleidervorschriften schon immer mehr Varianten zugelassen haben. Aber auch für Frauen bietet die neue Lässigkeit Fallstricke, die ihr Image als ernsthafte Führungskraft beschädigen können:

  • Vermeiden Sie im beruflichen Kontext unbedingt alles Niedliche wie z. B. Blümchen und kleine Rüschen.
  • Experimentieren Sie stattdessen lieber mit kräftigen Farben und derb-stabilen Schuhen, die strahlen Autorität aus.

Kleider machen Karriere

Die Weichen für Ihren beruflichen Erfolg stellen Sie selbst – und zwar zwischen 6:00 und 7:30 vor dem Kleiderschrank. Was ziehen Sie an zum Meeting, zum Kundentermin, zur Präsentation? Täglich grüßt der schwarze Hosenanzug und verbreitet in Kooperation mit seiner Partnerin, der ewigen weißen Bluse, manchmal schon am frühen Morgen Langeweile. Möchten Sie auch mal etwas Individuelleres, etwas Weiblicheres tragen? Gute Idee! Wenn Sie sich von der Masse der tristen Hosenanzüge abheben, stärkt das Ihre Position auch im Job. Dann können nämlich Chefs, Kollegen und Geschäftspartner direkt sehen, dass Sie etwas Besonderes sind! Der Business-Dresscode bietet Ihnen genügend Spielraum, optische Alleinstellungsmerkmale zu entfalten. Lesen Sie hier, wie Sie in vier Schritten Ihren kleidungstechnischen USP entwickeln.

1. Sondieren Sie den Markt
Suchen Sie als erstes Alternativen zum Me too-Produkt Hosenanzug bzw. Kostüm. Möglichkeiten sind zum Beispiel Röcke oder Hosen mit Bluse und Weste. Den herkömmlichen Blazer können Sie durch ein kleines Jäckchen mit einem ausgefallene Schnitt ersetzen. Bürotauglich – und trotzdem feminin – sind auch klassisch geschnittene Kleider. Ärmellose Kleider können toll mit Bluse oder einem feineren Shirt kombiniert werden. Wenn Sie darüber dann noch eine Jacke mit kurzen oder dreiviertellangen Ärmeln tragen, haben Sie ein spannendes, extravagantes Outfit, das immer noch allen Regeln des Dresscode am Arbeitsplatz entspricht. An heißen Sommertagen kann auch eine schön geschnittene Bluse offen über einem Top getragen werden.

No go: Bermudas! Selbst dann nicht, wenn man im Geschäft einen passenden Blazer dazu reicht und Ihnen das Gespann als Kostüm verkaufen will. Egal, aus welchem Stoff sie gemacht sind: Bermuda-Shorts erinnern immer an Strandurlaub oder Safari-Lodge.

2. Setzen Sie eigene Akzente
Bringen Sie jetzt neue Töne in Ihre Garderobe. Die Basis-Teile müssen nicht zwingend schwarz, grau oder dunkelblau sein. Ziehen Sie auch mal ein dunkles Lila oder Blaugrün und im Sommer etwas Helles in Betracht! Einzelne Teile wie Blusen, Tops oder ein Rock gehen auch in Gelb, Pink oder Royalblau. Vielleicht machen Sie auch eine bestimmte, ungewöhnliche Farbe zu Ihrem Markenzeichen?

No go: Von Kopf bis Fuß in Knallfarben; Farben, die Ihnen nicht stehen und Sie müde aussehen lassen.

3. Arbeiten Sie Ihre Stärken heraus
Sie sind eine Frau, das darf man auch sehen. Die Kleidung kann figurnah sein, sollte aber nicht knalleng sitzen. Arme, Beine vom Knie abwärts und Teile des Dekolletees dürfen gezeigt werden. Beachten Sie dabei aber folgendes: Die Gesamtmenge der freigelegten Körperteile sollte nicht zu groß sein! Das bedeutet in der Praxis: Zum ärmellosen Kleid besser ein hochgeschlossener Kragen, zum größeren Ausschnitt Ärmel und einen längeren Rock bzw. eine Hose. Achten Sie auch unbedingt darauf, Kollegen oder Geschäftspartnern keine körperlichen Schwachstellen zu präsentieren. Knübbelchen am Knie oder kleine Dellen in den Oberarmen machen Sie in den Augen dieser Menschen nicht liebenswerter, sondern nur verletzlicher.

No go:  Brustansätze zeigen. Machen Sie den Test vor dem Spiegel: Ziehen Sie das Oberteil Ihrer Wahl an und beugen Sie sich Zentimeter für Zentimeter nach vorn. Wenn Sie in der Waagerechten angekommen sind und immer noch alles gut verpackt ist, dann können Sie das Teil im Job anziehen!

4. Bieten Sie Mehrwert
Jetzt kommen die Accessoires ins Spiel: Dabei können Sie Ihre Individualität ausleben. Schmuck darf extravagant, verspielt und auch einmal etwas größer sein. Das gleiche gilt für Schals und Tücher, mit denen können Sie außerdem schöne Farbakzente setzen. Ein allzu strenger Hosenanzug wird übrigens mit einer dezenten Rüsche an der Bluse, einer verspielten Brosche oder einer langen Kette gleich viel persönlicher und weiblicher.

No go: Fransentaschen, Hippieketten, Nietengürtel. Sie arbeiten in Hannover, Essen oder Böblingen, Ibiza ist leider anderswo …

Sie sehen: Es gibt jede Menge Möglichkeiten, auch im Job einen individuellen und femininen Kleidungsstil zu pflegen. Wichtig ist natürlich auch dabei, sich das herauszusuchen, was Ihnen persönlich steht. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Ausprobieren!