Overknees: Holly goes ligthly to business

Vor einigen Tagen war ich zu einer Veranstaltung eingeladen, bei der ein Unternehmen eine Auszeichnung verliehen bekam. Es war eine ganz normale Business-Veranstaltung am Nachmittag. Zwei Frauen, die dabei in vorderster Reihe standen (die eine eine Staatssekretärin!), trugen eine Kombi aus Mini-Rock und Overknee-Stiefeln. Zu meiner eigenen Überraschung fand ich das nicht nur schick, sondern sogar völlig in Ordnung für den Anlass.

Overknees_4Overknee-Stiefel sind in diesem Winter ein breiter Trend: Von Deichmann bis Balenciaga finden sie sich in jeder Kollektion. Dennoch betrachtete ich sie bis zu jenem Nachmittag doch eher als ein Accessoires für Groupies oder Dominas. Wegen der drohenden Gefahr einer vulgären Note habe ich im beruflichen Umfeld immer kategorisch von Overknees abgeraten. Das eine Mal, dass die modebewusste Theresa May welche trug, kombinierte sie sie ja auch sicherheitshalber mit einem Rock, der lang genug war, das obere Ende der Stiefel zu verdecken. Aber – echt jetzt – zum Minirock und das bei einem Business-Event, einem quasi öffentlichen Auftritt?

So „entschärfen“ Sie die gefährlichen Stiefel

Um mein ausbleibendes Entsetzen zu verstehen, habe ich die Erscheinung der beiden Business-Ladies genauer studiert: Mir fiel auf, dass sie beide sehr schlank sind und wenig Kurven haben. Dadurch wirkte der Look nicht provokant sexy, sondern erinnerte eher an die raffiniert elegante Ästhetik der langen Handschuhe von Audrey Hepburn alias Holly Golightly in „Frühstück bei Tiffany“.

Folgende Tipps, wie sich Overknees für den Business-tauglichen Einsatz noch „entschärfen“ lassen, habe ich aus meiner Betrachtung abgeleitet:

  • Die Stiefel sollten flach sein oder nur einen niedrigen Absatz haben.
  • Insgesamt sollte der Stiefel möglichst schlicht und von dunkler Farbe sein, am besten aus Wildleder, das ist eleganter als „rockiges“ Glattleder.
  • Auch den Rest des Outfits schlicht, edel und ladylike halten, z. B. Etuikleid oder leicht ausgestellter Rock mit einem hochgeschlossenen, langärmeligen Oberteil.
  • Die Strumpfhose muss dunkel sein und am besten blickdicht.

Ja, stimmt, supersexy ist das Outfit bei Befolgung dieser Vorsichtsmaßnahmen nicht mehr. Aber wenn Sie beim Styling der Overknees so vorgehen, können Sie Ihre Business-Garderobe um ein spannendes Teil und Ihr Image um einige interessante Aspekte bereichern: Neben der Erinnerung an die smarte Holly Golightly kommunizieren Sie damit auch einen Touch von Robin Hood und Lederstrumpf. Sie machen klar: Ich weiß mich zu verteidigen, ich trau mich was und ich kämpfe für eine gute Sache! Und das kann Ihrer Karriere nur nützen …


Frauen, Macht und Mode: Kleidung spricht!

Frauen. Macht. Mode.Was sagt unsere Kleidung über unser Selbstverständnis? Können wir über unsere äußere Erscheinung zum Beispiel Macht oder Kompetenz demonstrieren? Das war eine der Fragen, die die Modejournalistin Christel Wickerath (im Foto rechts) bei der Veranstaltung „Frauen.Macht.Mode.“ auf Einladung von 9 Kölner Frauennetzwerken mit der Bloggerin Ninia LaGrande, der Modedesignerin Heidi Beck und mir als Kommunikations- und Stilberaterin (v. li.) diskutiert hat. Ein Anlass für mich, auch hier im Blog meine Sicht auf das Thema zu erklären.

Kleidung ist eine Sprache! Und jedes einzelne Teil ein Zeichen, das bestimmte Informationen enthält. Das gesamte Outfit als Summe dieser Zeichen hat eine komplexe Botschaft, erzählt eine Geschichte. Kleidung spricht über unseren Beruf, unseren sozialen Status, unser Einkommen, unseren Geschmack, unseren Lebensstil und unsere Werte. Und, und und …

Beispiele aus dem „Wörterbuch“ der Kleidung:

  • Klassisches Kostüm oder Anzug mit weißer Bluse – arbeitet im Management bei einer Bank.
  • Künstlich verlängerte, bunt gemusterte Fingernägel – heißt vielleicht Chantal oder Vanessa, hat eher kein Abitur
  • Polo von Lacoste zu Armani-Jeans – will auf keinen Fall einen Fehler machen
  • No Name-Klamotten von der Caritas – ihr/ihm sind andere Dinge wichtiger als Kleidung
  • Nadelstreifen-Jackett zu Jogginghose – Hornhaut auf den Geschmacksnerven oder Fashionista im fortgeschrittenen Stadium

Aber wer sagt denn, dass das jetzt auch stimmt? Gute Frage! Die Bewertung und Einordnung von äußeren Zeichen erledigt unser Unbewusstes, ganz still und innerhalb weniger Sekunden. Dabei gleicht es das aktuelle Bild mit bereits gemachten Erfahrungen ab. Sind also z. B. in seiner mentalen Datenbank ausreichend Bilder von Bankmanagerinnen hinterlegt, die klassische Kostüme tragen, wird dieses Outfit mit dem Beruf verknüpft. Aus der Sicht des „Erfahrungsrechners“ ist dieser Zusammenhang wahrscheinlich, auch wenn er im Einzelfall vielleicht gar nicht zutrifft. Diese Erkenntnisse stammen übrigens aus der sogenannten „Intuitionsforschung“.

Und was nützt dieses Wissen jetzt uns ambitionierten Frauen? Wir sollten souverän mit diesem Mechanismus spielen und uns aus dem Angebot an Kleidung das passende Vokabular für unsere individuelle Botschaft heraussuchen.

So lässt sich Stärke über die äußere Erscheinung ausdrücken:

1. Individuell und weiblich bleiben: Eine Frau in dunklem Hosenanzug und weißer Bluse sieht aus wie ein Mann, dem was fehlt – nämlich die Krawatte. Frauen sind aber keine defizitären Männer, sondern anders, und das darf man auch sehen. Deshalb auch im Business mal knallige Farben tragen oder Kleider. Wenn doch Hosenanzug oder Kostüm, dann probieren Sie ungewöhnliche Schnitte und Stoffe oder tragen Sie dazu ein feminines Oberteile statt Hemdbluse.

2. Sich Aufwerten: Früher inszenierten Herrscher ihre Macht durch voluminöse und kostbare Kleidung und ebenso kostbare Accessoires wie ein goldenes Zepter, ein Bischofsstab etc. Dieses Prinzip funktioniert auch heute noch. Sichtbar hochwertige und großzügig geschnittene Kleidung oder Statussymbole wie z. B. Designer-Handtaschen sind die neuen Zeichen der Macht. Wenn das Budget für Prada und Armani nicht reicht, nehmen Sie einfach etwas anderes, das groß und ein bisschen ungewöhnlich ist.

3. Regeln brechen: Wer das Sagen hat, kann auch die Regeln ändern. Dass Sie das Sagen – oder zumindest ihren eigenen Kopf haben, zeigen Sie mit Dresscode-Brüchen. Kombinieren Sie zu der in Ihrem beruflichen Umfeld üblichen Business-Kleidung einzelne „störende“ Teile, z. B. Sneakers, ein T-Shirt mit Motiv, opulenten Schmuck oder eine Folklore-Tasche. Das sollten aber wirklich nur einzelne Elemente sein, sonst lautet die Gesamt-Aussage Ihres Outfits eher „Ich bin im Urlaub.“

Ein Tipp noch zum Schluss: Denken Sie daran, dass jedes einzelne Teil, das Sie für Ihre Botschaft einsetzen, auch stimmig zu Ihrem Typ sein sollte, damit das ganze Outfit überzeugt.

 


Kleider machen Karriere

Die Weichen für Ihren beruflichen Erfolg stellen Sie selbst – und zwar zwischen 6:00 und 7:30 vor dem Kleiderschrank. Was ziehen Sie an zum Meeting, zum Kundentermin, zur Präsentation? Täglich grüßt der schwarze Hosenanzug und verbreitet in Kooperation mit seiner Partnerin, der ewigen weißen Bluse, manchmal schon am frühen Morgen Langeweile. Möchten Sie auch mal etwas Individuelleres, etwas Weiblicheres tragen? Gute Idee! Wenn Sie sich von der Masse der tristen Hosenanzüge abheben, stärkt das Ihre Position auch im Job. Dann können nämlich Chefs, Kollegen und Geschäftspartner direkt sehen, dass Sie etwas Besonderes sind! Der Business-Dresscode bietet Ihnen genügend Spielraum, optische Alleinstellungsmerkmale zu entfalten. Lesen Sie hier, wie Sie in vier Schritten Ihren kleidungstechnischen USP entwickeln.

1. Sondieren Sie den Markt
Suchen Sie als erstes Alternativen zum Me too-Produkt Hosenanzug bzw. Kostüm. Möglichkeiten sind zum Beispiel Röcke oder Hosen mit Bluse und Weste. Den herkömmlichen Blazer können Sie durch ein kleines Jäckchen mit einem ausgefallene Schnitt ersetzen. Bürotauglich – und trotzdem feminin – sind auch klassisch geschnittene Kleider. Ärmellose Kleider können toll mit Bluse oder einem feineren Shirt kombiniert werden. Wenn Sie darüber dann noch eine Jacke mit kurzen oder dreiviertellangen Ärmeln tragen, haben Sie ein spannendes, extravagantes Outfit, das immer noch allen Regeln des Dresscode am Arbeitsplatz entspricht. An heißen Sommertagen kann auch eine schön geschnittene Bluse offen über einem Top getragen werden.

No go: Bermudas! Selbst dann nicht, wenn man im Geschäft einen passenden Blazer dazu reicht und Ihnen das Gespann als Kostüm verkaufen will. Egal, aus welchem Stoff sie gemacht sind: Bermuda-Shorts erinnern immer an Strandurlaub oder Safari-Lodge.

2. Setzen Sie eigene Akzente
Bringen Sie jetzt neue Töne in Ihre Garderobe. Die Basis-Teile müssen nicht zwingend schwarz, grau oder dunkelblau sein. Ziehen Sie auch mal ein dunkles Lila oder Blaugrün und im Sommer etwas Helles in Betracht! Einzelne Teile wie Blusen, Tops oder ein Rock gehen auch in Gelb, Pink oder Royalblau. Vielleicht machen Sie auch eine bestimmte, ungewöhnliche Farbe zu Ihrem Markenzeichen?

No go: Von Kopf bis Fuß in Knallfarben; Farben, die Ihnen nicht stehen und Sie müde aussehen lassen.

3. Arbeiten Sie Ihre Stärken heraus
Sie sind eine Frau, das darf man auch sehen. Die Kleidung kann figurnah sein, sollte aber nicht knalleng sitzen. Arme, Beine vom Knie abwärts und Teile des Dekolletees dürfen gezeigt werden. Beachten Sie dabei aber folgendes: Die Gesamtmenge der freigelegten Körperteile sollte nicht zu groß sein! Das bedeutet in der Praxis: Zum ärmellosen Kleid besser ein hochgeschlossener Kragen, zum größeren Ausschnitt Ärmel und einen längeren Rock bzw. eine Hose. Achten Sie auch unbedingt darauf, Kollegen oder Geschäftspartnern keine körperlichen Schwachstellen zu präsentieren. Knübbelchen am Knie oder kleine Dellen in den Oberarmen machen Sie in den Augen dieser Menschen nicht liebenswerter, sondern nur verletzlicher.

No go:  Brustansätze zeigen. Machen Sie den Test vor dem Spiegel: Ziehen Sie das Oberteil Ihrer Wahl an und beugen Sie sich Zentimeter für Zentimeter nach vorn. Wenn Sie in der Waagerechten angekommen sind und immer noch alles gut verpackt ist, dann können Sie das Teil im Job anziehen!

4. Bieten Sie Mehrwert
Jetzt kommen die Accessoires ins Spiel: Dabei können Sie Ihre Individualität ausleben. Schmuck darf extravagant, verspielt und auch einmal etwas größer sein. Das gleiche gilt für Schals und Tücher, mit denen können Sie außerdem schöne Farbakzente setzen. Ein allzu strenger Hosenanzug wird übrigens mit einer dezenten Rüsche an der Bluse, einer verspielten Brosche oder einer langen Kette gleich viel persönlicher und weiblicher.

No go: Fransentaschen, Hippieketten, Nietengürtel. Sie arbeiten in Hannover, Essen oder Böblingen, Ibiza ist leider anderswo …

Sie sehen: Es gibt jede Menge Möglichkeiten, auch im Job einen individuellen und femininen Kleidungsstil zu pflegen. Wichtig ist natürlich auch dabei, sich das herauszusuchen, was Ihnen persönlich steht. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Ausprobieren!