Videomeeting: Tipps für Ihren Auftritt

Sie betreten pünktlich, gesprächsbereit und voller konstruktiver Ideen den virtuellen Konferenzraum, Kamera und Mikrofon sind eingeschaltet. Irgendwo geht dann ein kleines Fenster auf, in dem Sie sich selbst sehen. Und in dem Moment kommt der Schock: Ach du liebe Zeit! Ich sehe ja furchtbar aus! Wer dieses Erlebnis noch nie hatte, schreibe bitte den ersten Kommentar!

Tatsächlich sind die Bilder, die die Kamera des Laptops von uns macht, objektiv nicht sehr schmeichelhaft. Hier verrate ich Ihnen jedoch ein paar Tipps, wie Sie in einem virtuellen Meeting dennoch gut aussehen.

1. Kommen Sie aus der Deckung!

Astrid Windfuhr, Koeln, 2020.Wenn Sie das oben beschriebene Schock-Erlebnis hatten, haben Sie eine Sache zumindest schon richtig gemacht: Sie haben sich gezeigt! Das ist ein guter, goldrichtiger Anfang! Denn in einem Videomeeting geht es genau darum, dass man sich zeigt! Sonst könnte man ja auch eine Telefonkonferenz abhalten. Leider ist das Sich-Zeigen jedoch noch nicht selbstverständlich. Manche Teilnehmer blockieren die Kamera und verschanzen sich sich hinter einem schematischen Icon. Das ist in der Wirkung jedoch weitaus schlimmer, als ein paar Jahre älter auszusehen: „Was hat der/die zu verbergen?“, fragen sich da die anderen. Also: Seien Sie tapfer und zeigen Sie sich! Das ist für die restlichen Teilnehmer immer noch die angenehmste Lösung. Außerdem wirkt es einfach souveräner.

2. Die richtige Kleidung

Ein Grund, warum sich Teilnehmer vielleicht verstecken: Sie haben erst zwei Sekunden vor Beginn des Meetings festgestellt, dass sie noch im Pyjama sind … „Homewear“ ist tatsächlich nicht der Dresscode für das virtuelle Meeting. Ziehen Sie unbedingt etwas an, womit Sie auch ins Büro gehen könnten. Wählen Sie aber eher ein Freitags- als ein Mittwochs-Outfit, denn ein formaler Business-Look mit Blazer oder gar Krawatte ist am heimischen Schreibtisch nun auch wieder nicht glaubwürdig. Da die Laptop-Kamera uns sowieso schon blass und knautschig wirken lässt, kommt es bei der Kleidung ganz besonders auf vorteilhafte Farben an. Dazu zwei grundsätzliche Tipps: 1. Wenn Sie von Natur aus dunkle Haare und dunkle Augen haben, tragen Sie eher dunkle Farben. Menschen mit hellen Haaren und hellen Augen sehen umgekehrt in hellen Farben besser aus. 2. Meiden Sie Beige, Orange und Erdtöne. Diese Farben lassen ca. 97% der mitteleuropäischen Menschen müde und kränklich aussehen. Vermeiden Sie außerdem kleine Muster und kleinteiligen Schmuck, beides geht im Pixel-Salat unter.

3. Das Make up

Da die Laptop-Kamera Gesichter oft wie einen Klumpen blassen Kuchenteig aussehen lässt, ist Schminken eine gute Maßnahme. Sorgen Sie für Kontrast und Kontur, indem Sie Augen und Lippen betonen. Und ganz wichtig ist Rouge: Das macht frisch!

4. Kameraposition und Beleuchtung

Virtuell1 KopieDie Schreibtischlampe ist beim Videomeeting leider nicht unser bester Freund. Der Grund: Sie sendet das Licht von seitlich oben, das lässt Gesichter fahl aussehen und bringt irritierende Spiegelungen auf Brillengläser. Am besten ist Tageslicht oder eine indirekte Lichtquelle, die von einer Position hinter der Kamera ins Gesicht scheint. Außerdem sollte das Kameraauge im Laptop auf Höhe der (eigenen) Augen gebracht werden, notfalls mit ein paar Coffeetable-Kunstbänden, die Sie unter den Laptop schieben. Auf diese Weise entsteht so etwas wie Blickkontakt mit den anderen Teilnehmern, Sie wirken selbstbewusst, aber nicht „von oben herab“ – und das Doppelkinn ist auch weg. Das Bild direkt über diesem Absatz ist mit meiner Laptop-Kamera so wie beschrieben aufgenommen. Ich finde: So geht’s! Und noch ein Extra-Tipp: Lebhafte Gestik stößt schnell an die Grenzen des Bildausschnitts, Stillhalten wirkt souveräner.

5. Hintergrund

Was befindet sich hinter Ihrem Schreibtischstuhl? Ein unaufgeräumtes Regal? Gammelige Ordner und chaotische Papierstapel? Herabhängende Kabel? Kitschige Urlaubs-Souvernirs? Auch wenn Sie selbst diese Interieur-Design-Schwachstellen schon vor Jahren verdrängt haben, die Laptop-Kamera zeigt all das Zeugs ohne Erbarmen! Besser: Eine schlichte Wand oder ein schönes gepflegtes Bücherregal. Ein interessantes Stilmittel sind auch Bilder oder Zitate. Die können Sie sogar für Ihre Gesprächsziele nutzen: Sie werden nämlich als eine Art Überschrift gelesen für alles, was während der Videokonferenz passiert. Bei einem meiner ersten virtuellen Meetings war ich erstaunt über die Offenheit aller Teilnehmer für unkonventionelle Ideen. Einige Tage später sprach mich jemand aus dem Kreis auf eine Karte an, die hinter meinem Schreibtisch an die Wand gepinnt ist. Darauf steht ein Zitat von Albert Einstein, es lautet: „Wenn eine Idee nicht zuerst absurd erscheint, taugt sie nichts.“

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Du oder Sie? – Teil 3: Arbeitsplatz ist anders!

Wir betreten jetzt einen sehr spannenden Ort, der zwar nicht privat ist, an dem ein „Sie“ aber dennoch unpassend sein kann: den Arbeitsplatz. Aus einem mittelgroßen, eigentlich ziemlich konservativem Unternehmen habe ich kürzlich folgendes gehört: Die Geschäftsleitung hatte plötzlich und unerwartet einen Frühling der Herzlichkeit ausgerufen, was bedeutete, dass alle Führungskräfte ihren Mitarbeitern das „Du“ anbieten mussten. „Also, das Angebot zum Du von meinem Chef fand ich echt gewöhnungsbedürftig, weil unser Verhältnis bisher eher distanziert war“, sagt ein Mitarbeiter. „Aber ich will meinen Chef nicht vor den Kopf stoßen, deshalb mache ich eben einfach mit.“

Diese kleine Geschichte offenbart das ganze Dilemma der neuen Lässigkeit am Arbeitsplatz. Das Dilemma hat drei Facetten:

1. Ablehnen ist schwierig 

Wenn sich alle Kollegen untereinander duzen und eine Person das ablehnt, ist diese Kollegin/dieser Kollege draußen, hat sich quasi selber aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Das ist im besten Fall einsam und langweilig, im schlimmsten Fall der Beginn eines Mobbings. Davon ist also dringend abzuraten! Da suchen Sie sich besser gleich einen anderes, kühleres Arbeitsplätzchen. Soweit zu Kollegen auf der gleichen Ranghöhe, aber was ist mit Chef oder Chefin, die Ihnen das „Du“ anbieten? Hier kommt ein Hierarchiegefälle ins Spiel. Laut „Knigge“ darf man das „Du“ auch da höflich ablehnen. Die Zurückweisung kann der „Du“-Anbieter jedoch als Demütigung empfinden. Und wer will dafür schon Punktabzug beim Chef riskieren? Tipp für Chefs und Chefinnen: Bevor Sie das allgemeine „Du“ verordnen, sollten Sie sich fragen, ob es auch wirklich zu Ihrem Führungsstil passt. Am besten tragen Sie ein „Du“ zu demokratischer oder agiler Führung. Tipp für Mitarbeiter, die sich auf das „Du“ gern eingelassen haben: Lesen Sie Abschnitt 3. Tipp für Mitarbeiter, die mehr Distanz möchten: Lesen Sie Abschnitt 2.

2. Individuelle Grenzen respektieren

Du_SchutzraumJeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin hat andere Bedürfnisse. Manche Menschen brauchen ein „Du“ um sich wohlzufühlen. Darauf einzugehen kann wundervolle Erlebnisse der Kategorie „Da geht ja doch noch was!“ bescheren. Andere Mitarbeiter brauchen mehr Distanz. Seien Sie im direkten Kontakt vorsichtig und aufmerksam. Beobachten Sie doch mal, was andere Menschen tun, wenn Sie in Ihre Nähe kommen. Sehen Sie da ein Augenlid zucken? Oder macht jemand gar einen Schritt rückwärts, wenn Sie auf den Plan treten? Was das bedeutet? Das sind ernste Zeichen dafür, dass eine Grenze verletzt wurde.

Und wenn Ihnen umgekehrt jemand zu nahe kommt, dann hoffen Sie lieber nicht darauf, dass derjenige das von alleine merkt. Sondern trauen Sie sich doch mal was! Sagen Sie freundlich: „Das passt für mich einfach nicht.“ Vielleicht wären die Führungskräfte im eingangs erwähnten Unternehmen sogar froh, wenn sie mal wieder jemanden siezen dürften. In diesen lässigen Zeiten müssen Grenzen immer wieder neu ausgehandelt werden. Beides – das „Lesen“ von Zeichen sowie eine beziehungswahrende Formulierung von Ablehnung lässt sich in Trainings lernen und üben. Ich nenne das „Knigge agil“.

3. Hierarchie und Rolle

Hierarchien in deutschen Unternehmen werden flacher. Dabei ist das allgemeine „Du“ quasi das Ostfriesland in der betrieblichen Beziehungskultur. Kann man auf jeden Fall machen! Jedenfalls wenn man sich vorher vergewissert hat, dass zumindest die Mehrheit der Mitarbeiter das begrüßt (siehe oben). Im Englischsprachigen Raum – wo es gar kein Sie gibt –  klappt’s ja schließlich auch! Wichtig ist nur eins: Den Mitarbeitern muss klar sein, dass der Chef trotzdem kein Kumpel bzw. die Chefin keine BFF (Best Friend Forever) ist, sondern nach wie vor Chef oder Chefin. Auch Chefin und Chef müssen sich darum kümmern, dass das klar ist. Dann wird es funktionieren. Und auch in deutschen Unternehmen habe ich schon einige (junge) Mitarbeiter kennengelernt, die trotz 360_Grad-Du ein glasklares Rollenbewusstsein haben. Hut ab! Und Willkommen in Ostfriesland!

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Du oder Sie? – Teil 1: Neulich im Hotel

Du oder Sie? – Teil 2: Eine Image-Frage


Du oder Sie? – Teil 2: Eine Image-Frage

Ich duze mich ja auch viel und gerne. Doch, wirklich! Da, wo ich es passend finde. Zum Beispiel bei Parties im Freundeskreis, in meinem Frauen-Netzwerk, im Fitness-Studio, im Karneval und vor dem Kneipentresen sind in meinen Augen auch alle gleich. Kurz: Überall da, wo man gemeinsame Interessen hat, sich auf Augenhöhe begegnet und wo niemand (viel) an mir verdient. Was für mich gar nicht geht, ist die Kombi Duzen und Teures. Vielleicht liegt das an Ikea. Da habe ich schon in meiner Kindheit gelernt, dass „Du“, „Billy“ und die kleinen Preise zusammengehören.

Natürlich duze ich mich auch im beruflichen Umfeld mit einer ganzen Reihe von Menschen. Wichtigste Voraussetzung ist dabei für mich, dass ich die Person tatsächlich kenne. Das geht aber offenbar nicht allen so. „Hallo Ihr Lieben“ – mit diesen Worten begann eine Einladung zu einem Info-Abend für eine Coaching-Ausbildung, die mir kürzlich ins Postfach flatterte. Mal abgesehen davon, dass ich schon eine Coaching-Ausbildung absolviert habe und bereits als Coach tätig bin – habe ich bei diesem Angebot eher an Bauchtanz oder an Wünschelruten-Training gedacht. Coaching ist ein ernsthaftes Business, bei dem es gerade auch um einen sensiblen Umgang mit Nähe und Distanz geht. Dazu sollte auch die Ausschreibung stimmig sein, dann wirkt sie professionell. 

Ebenfalls mit „liebe Astrid“ war die Anfrage einer renommierten PR-Agentur überschrieben, die mich als Stilberaterin für eine Veranstaltung buchen wollte. Unterschrieben war die Mail mit einem Kosenamen. Wer macht Geschäfte mit „Mausi“? Ich nicht! Dafür habe ich nicht meine Konzepte entwickelt, wie Frauen im Beruf ernstgenommen werden.

Gefragt sind Empathie und Fingerspitzengefühl

Fazit: Auch wenn duzen jetzt total „hip“ ist und sich Normen tatsächlich verschieben, gibt es ein paar NoGos. Wildfremde Menschen im Geschäftsleben zu duzen ist ein Schuss, der leicht nach hinten losgehen kann, denn Sie wissen noch nicht, mit wem Sie es zu tun haben – und was diese Person mit Ihrem freundlich gemeinten „Du“ so alles assoziiert. Sobald Sie jemandem gegenüberstehen und in direktem Kontakt sind, können Sie hier viel besser einschätzen, welche Ansprache passt und welche nicht. Vorsicht und Einfühlungsvermögen sind hier angesagt. Die sehr junge Aushilfe in meinem Lieblings-Weinhandel hat kürzlich gezeigt, wie das (fast) gelingen kann: Zuerst hat Sie mich munter geduzt, dann – während ihre Worte immer leiser wurden – nachdenklich mein Gesicht studiert. Daraufhin hat sie tief Luft geholt und den in der zweiten Person Singular begonnenen Satz nochmal ganz neu angesetzt, jetzt mit „Sie“. Ich nehme an, sie hat in der Zwischenzeit meine Falten gezählt …

Chance für einen eigenen Stil

Du_SelbstbildDie neue Regellosigkeit ist also gar nicht „easy“, sondern sogar anstrengender als die klaren Normen der Vergangenheit. Sie fordert uns viel ab an Achtsamkeit, Empathie und Fingerspitzengefühl. Andererseits bietet sie jedem einzelnen jedoch einen großartigen Freiraum, sich zu positionieren und einen persönlichen Stil, eine Art individuelle Corporate Identity zu entwickeln. Fragen Sie sich: Wer bin ich? Wie will ich wirken? Bei wem möchte ich einen positiven Eindruck machen? Und was will ich in einer bestimmten Situation erreichen? Daraus ergibt sich der Umgang mit Du oder Sie. Ein Coaching kann helfen, hier eine stimmige eigene Position zu finden. Wichtig: Tue es nicht aus Versehen oder weil es alle machen, sondern tun Sie es bewusst!

Du oder Sie? – Teil 1: Neulich im Hotel

Du oder Sie? – Teil 3: Arbeitsplatz ist anders!


Du oder Sie? – Teil 1: Neulich im Hotel

Du_Rezeption_flachKürzlich betrat ich das Foyer eines neuen schicken Hotels in der Kölner Innenstadt. Im obersten Stockwerk des Hotels befindet sich ein ebenfalls neues, trendiges Restaurant, wo ich zu einer Geburtstagsfeier eingeladen war. Da ich nicht wusste, wo es langging, schritt ich hoffnungsvoll auf die Rezeption zu, von wo aus mich eine junge Frau einladend anlächelte. „Du nimmst den Fahrstuhl da drüben und deinen Mantel kannst du gleich hier an der Garderobe abgeben“, erklärte sie mir. Da musste ich erstmal schlucken. Nicht weil ich eine Fahrstuhl-Phobie hätte, sondern wegen der Anrede. „Du“ an der Hotelrezeption? Leicht irritiert erreichte ich die Garderobe, an der ich dann von einem freundlichen jungen Mann ebenfalls geduzt wurde. Diesmal schaltete ich schneller. „Duzen Sie denn jeden, der hier reinkommt?“, fragte ich ihn. „Ja“, erklärte er mit gleichbleibender souveräner Freundlichkeit, „Es gehört zu unserer Unternehmensphilosophie, die Gäste persönlich anzusprechen, sie sollen sich bei uns wie zu Hause fühlen.“

Du_Socken_kleinAlso, wenn ich persönlich mich wie Zu Hause fühlen will, dann bleibe ich zu Hause, ziehe meine ollen Socken an und lege mich aufs Sofa! Heute aber will ich einen schicken Abend im öffentlichen Raum verbringen. Und dazu gehört für mich auch eine Prise erfrischende Distanz mit einem smarten „Sie“. Im Dachrestaurant angekommen, hatte ich einen wunderbaren Abend. Das Gemisch aus Staunen und Ärger über das „Du“ in der Hotel-Lobby war schnell vergessen. Aber das Thema hat mich seitdem in immer kleineren Schritten wieder eingeholt …

Entscheidung über Nähe und Distanz

Als nächstes fiel mir auf, dass mich die Website vom Hermes-Versand duzt. Dann die Verpackung einer veganen Suppe, die ich wegen hoher Qualität und niedriger Kalorienzahl schätze: „Deine Gelbe Linsensuppe lässt sich in nur wenigen Schritten in ein super leckeres Curry verwandeln.“ Und nach einem Update des Betriebssystems tut es auch mein eigener Laptop – Er duzt mich, wenn ich ihn ausschalten will. (Ebenso diese Website, wenn Sie einen Kommentar abgeben wollen, das kann ich nicht mal ändern.)

Ganz ehrlich: Ich finde das jetzt doch langsam ein bisschen respektlos! Beim „Sie“ oder „Du“ geht es um Distanz oder Nähe. Und ich möchte gerne selbst entscheiden, wie nah ich die Firma Apple, Hermes oder „Oma Josefine Bioprodukte“ aus Rieslingen an mich heranlassen will. Schließlich bin ich hier die Kundin! Soweit meine Einstellung. Aber wie sehen das andere? Und welche gute Absicht steckt hinter dem flächendeckenden „Du“? Vielleicht gibt es tatsächlich viele Menschen, die das „Du“ grundsätzlich angenehmer und das „Sie“ abgehoben und unpersönlich finden? Und wie gehen wir mit diesen unterschiedlichen Bedürfnissen um? Eines ist schon sicher: Die allgemeine Knigge-Regel, dass Fremde erstmal zu siezen sind, bis der Ranghöhere oder die Ranghöhere das Du anbietet, ist Geschichte. Inzwischen kann ein „Sie“ manchmal sogar schon falsch sein. Welche Regeln gelten aber jetzt? Woran können wir uns orientieren? Lesen Sie dazu den nächsten Blogbeitrag …

Du oder Sie? – Teil 2: Eine Image-Frage

Du oder Sie? – Teil 3: Arbeitsplatz ist anders!

 


Scheitern mit Stil

Abkürzungen liegen ja total im Trend. Wissen Sie, was eine BFF ist? Das steht für „Best Friend Forever“. Und neben den seit langem bekannten VIPs gibt es jetzt zum Beispiel auch MVPs, „Most Valuable Players“ – das sind die teuersten Fußballspieler im Verein. Aber wofür steht BDFPE? Das heißt ausgeschrieben „Best Dressed Female Politican Ever“ und ist eine Wortschöpfung von mir – für Theresa May. 

Therers May 1Schon in wenigen Tagen wird sie die politische Bühne verlassen und eine EBPM (Ex-British-Prime-Minister) sein: Als Politikerin mit dem Brexit auf dem Holzweg, am Austrittsvertrag auch noch kläglich gescheitert – aber als Stilikone wegweisend. Während Angela Merkel und Hillary Clinton gerade mal passabel aussehen und Franziska Giffey dringend eine Beratung braucht, erfüllt sie den Dresscode einer Premierministerin mit Klasse, reizt ihn aber bis an die Grenzen aus, um zu zeigen, was alles noch geht. Was macht ihren Stil so besonders, so elegant? Ich möchte Theresa Mays letzte Tage im Amt nutzen, um ihr Stilrezept zu erklären:

  1. Jacken mit besonderem Schnitt: Wie andere Politikerinnen trägt Theresa May auch Kostüme und Hosenanzüge. Aber was für welche! Keine langweiligen Kopien von Männeranzügen, sondern raffiniert-elegante Varianten mit abgerundeten Kanten, drapierten Kragen und geschlitzten und gefalteten Schößen (Foto unten).
  2. Kräftige Farben hat Angela Merkel in die weibliche Politik-Mode eingeführt. Theresa May nutzt diese Knall-Effekte aber noch besser durch monochrome Looks und die Wahl von Farben, die ihr auch wirklich stehen, z. B. Royalblau.
  3. Die Hemdbluse gehört zum gängigen Polit- und Business-Style wie das Wasserglas zum Redner-Pult – und sieht meist auch ebenso fad aus. Theresa May trägt einfach keine! Stattdessen hält sie sich an feine Tops oder Kleider. Dafür gibt es das Prädikat Lady!
  4. Besondere Schuhe: Zu ihrer Amtseinführung trug sie Leo-Pumps, später wurde sie mit Schmucksteinen oder roten Absätzen am Schuh und sogar in Overknee-Stiefeln gesichtet. Das nenne ich Mut am Fuß!
  5. Großer Statement-Schmuck: Selbst die Karikaturisten haben nach einer gewissen Anlaufzeit dieses Markenzeichen von Theresa May erkannt. Großer Schmuck hat einfach Grandezza – vor allem an großen Frauen.

Die Aussage dieser Outfits: „Die traut sich was!“ oder „Hoppla, hier komm ich!“ Ein empfehlenswertes Kleidungs-Konzept auch für Politikerinnen und Businessfrauen hierzulande. Aber wiederholen Sie dabei nicht die Fehler der BDFPE, sondern achten Sie unbedingt auch darauf, zukunftsfähige Inhalte, eine belastbare Strategie und ein starkes Rückgrat zu entwickeln. Sonst wirkt die große Kette – wie am Ende bei Theresa May – nicht mehr wie ein Statement, sondern eher wie eine schwere Fessel.

Theresa May2


No Dresscode – Was nun?

Zuerst Daimler, dann Rewe und jetzt auch bei der New Yorker Investmentbank Goldman-Sachs: Der klassische Business-Dresscode ist aufgehoben! Bei Start-ups und in der IT-Branche heißt es eh schon länger: „Das Anzug- und Krawatte-Spiel machen wir nicht mit!“ Jetzt gilt also auch bei Konzernen: No Dresscode. 

Foto_DresscodeAber was nun anziehen? Die klassischen Kleiderregeln waren leicht zu befolgen: Anzug plus helles Hemd plus Krawatte plus schwarze (!), feine Lederschuhe. Eine Uniform, hinter der Mann sich gut verstecken konnte. Ein Dresscode ist tatsächlich so etwas wie eine Formel, die die in einem bestimmten Umfeld erwünschte Kleidung beschreibt. Dresscodes können explizit formuliert werden (z. B. „Black Tie“auf der Einladung zu einer Gala) oder auch etwas unausgesprochen Übliches sein.

Fällt jetzt der gesetzte Rahmen durch die Business-Formel weg, besteht die Gefahr, dass routinierte Anzugträger stilistisch ins Bodenlose fallen. Sind die Alternative Jeans und Schlabberpullover, mit der der Manager samstags einkaufen geht? Weil sie wohl ahnen, dass es das nicht sein kann, halten zumindest in den deutschen Führungsetagen die Herren bei der neuen Lässigkeit den Ball flach: Sie tragen ihre gewohnten Anzüge und Hemden und lassen einfach nur die Krawatte weg. 

Die neue Freiheit zeigt sich als Lücke

Damit haben sie aber einen neuen Dresscode entwickelt. Die Formel lautet jetzt: Anzug plus weißes Hemd minus Krawatte. Die neue Freiheit zeigt sich hier also nur in Form einer Lücke. Schade! Auch deshalb, weil das weiße Hemd ohne Krawatte vitale Alpha-Tiere plötzlich blässlich aussehen lässt. Weiß ist leider eine Farbe, die nur wenigen Menschen gut steht. Bei der bislang gültigen Männeruniform wurde die bleichende Wirkung von weißen Hemden durch die farblich meist dunklere und kräftigere Krawatte abgemildert. Jetzt fehlt da etwas …

Freiheit und Individualität sehen anders aus. Jaaa, in der Post-Dresscode-Ära geht es mehr denn je darum, eine individuell stimmige Kleider-Lösung zu finden! Wenn die vorgeschriebene Uniform keine Entschuldigung mehr bietet für Kleidungsstücke, die dem Träger oder der Trägerin nicht stehen, dann müssen karriereinteressierte Menschen die Entdeckungsreise zum eigenen Stil antreten. Welche Farben? Welche Materialien? Auch Muster? Welche Kleidungsstücke und Accessoires überhaupt? Moderne Business-Kleidung passt zur Persönlichkeit und zu den eigenen Farben und Körperstrukturen.

Tipps für Männer

  • Probieren Sie unbedingt neue Hemdenfarben aus. Alles, was dunkler und bunter ist als Weiß. Vorschlag für Vorsichtige: Nehmen Sie ein strahlend hellblaues Hemd, die Farbe steht relativ vielen Menschen gut, also wahrscheinlich auch Ihnen.
  • Ziehen Sie ganz neue Kleidungsstücke in Betracht, um Ihre Individualisierung voranzutreiben: Pullover und Pullunder, Lederjacken und hochwertige (!), gut sitzende T-Shirts, schöne Schals, gut sitzende Westen, falls Sie ein klassischer Typ sind.

Tipps für Frauen

Für Frauen ist die neue Lässigkeit etwas einfacher, da ihre Kleidervorschriften schon immer mehr Varianten zugelassen haben. Aber auch für Frauen bietet die neue Lässigkeit Fallstricke, die ihr Image als ernsthafte Führungskraft beschädigen können:

  • Vermeiden Sie im beruflichen Kontext unbedingt alles Niedliche wie z. B. Blümchen und kleine Rüschen.
  • Experimentieren Sie stattdessen lieber mit kräftigen Farben und derb-stabilen Schuhen, die strahlen Autorität aus.

Overknees: Holly goes ligthly to business

Vor einigen Tagen war ich zu einer Veranstaltung eingeladen, bei der ein Unternehmen eine Auszeichnung verliehen bekam. Es war eine ganz normale Business-Veranstaltung am Nachmittag. Zwei Frauen, die dabei in vorderster Reihe standen (die eine eine Staatssekretärin!), trugen eine Kombi aus Mini-Rock und Overknee-Stiefeln. Zu meiner eigenen Überraschung fand ich das nicht nur schick, sondern sogar völlig in Ordnung für den Anlass.

Overknees_4Overknee-Stiefel sind in diesem Winter ein breiter Trend: Von Deichmann bis Balenciaga finden sie sich in jeder Kollektion. Dennoch betrachtete ich sie bis zu jenem Nachmittag doch eher als ein Accessoires für Groupies oder Dominas. Wegen der drohenden Gefahr einer vulgären Note habe ich im beruflichen Umfeld immer kategorisch von Overknees abgeraten. Das eine Mal, dass die modebewusste Theresa May welche trug, kombinierte sie sie ja auch sicherheitshalber mit einem Rock, der lang genug war, das obere Ende der Stiefel zu verdecken. Aber – echt jetzt – zum Minirock und das bei einem Business-Event, einem quasi öffentlichen Auftritt?

So „entschärfen“ Sie die gefährlichen Stiefel

Um mein ausbleibendes Entsetzen zu verstehen, habe ich die Erscheinung der beiden Business-Ladies genauer studiert: Mir fiel auf, dass sie beide sehr schlank sind und wenig Kurven haben. Dadurch wirkte der Look nicht provokant sexy, sondern erinnerte eher an die raffiniert elegante Ästhetik der langen Handschuhe von Audrey Hepburn alias Holly Golightly in „Frühstück bei Tiffany“.

Folgende Tipps, wie sich Overknees für den Business-tauglichen Einsatz noch „entschärfen“ lassen, habe ich aus meiner Betrachtung abgeleitet:

  • Die Stiefel sollten flach sein oder nur einen niedrigen Absatz haben.
  • Insgesamt sollte der Stiefel möglichst schlicht und von dunkler Farbe sein, am besten aus Wildleder, das ist eleganter als „rockiges“ Glattleder.
  • Auch den Rest des Outfits schlicht, edel und ladylike halten, z. B. Etuikleid oder leicht ausgestellter Rock mit einem hochgeschlossenen, langärmeligen Oberteil.
  • Die Strumpfhose muss dunkel sein und am besten blickdicht.

Ja, stimmt, supersexy ist das Outfit bei Befolgung dieser Vorsichtsmaßnahmen nicht mehr. Aber wenn Sie beim Styling der Overknees so vorgehen, können Sie Ihre Business-Garderobe um ein spannendes Teil und Ihr Image um einige interessante Aspekte bereichern: Neben der Erinnerung an die smarte Holly Golightly kommunizieren Sie damit auch einen Touch von Robin Hood und Lederstrumpf. Sie machen klar: Ich weiß mich zu verteidigen, ich trau mich was und ich kämpfe für eine gute Sache! Und das kann Ihrer Karriere nur nützen …