Rettungsaktion für eine Bluse

Ich liebe diese Bluse: femininer Schnitt, edles Material (Crepe de Chine) und Grün finde ich sowieso toll! Zur Feier der Sonnenstrahlen und sinkender Infektionszahlen habe ich sie aus ihrem Winterschlaf geweckt und mit einer trendigen filigranen Goldkette gestylt. Dazu ein Lippenstift in einer zarten Farbe – und das Sommerleben kann beginnen!

Astrid Windfuhr, Koeln, 2020.Wirklich? Leben? Sehe ich vital aus auf dem Foto? Ich würde sagen, ich wirke eher angeschlagen und ausgepowert. Und das liegt nicht an den Strapazen der letzten Wochen, sondern an dem Grünton. Der ist nämlich nicht der richtige für mich, es ist zuviel Gelb mit drin. Und die Kombi mit der gelblich-goldenen Kette und dem nudefarbenen Lippenstift macht es nur noch schlimmer. Als Farb- und Stilberaterin habe ich das natürlich vorher gewusst, ich habe die Stücke mit Absicht so kombiniert, um hier etwas zeigen zu können. Also, was machen wir mit einem Lieblingsstück, das aber leider eine ungünstige Farbe hat?

Hier drei Regeln für die „Rettungs“-Kombi:

Regel Nr. 1: Bloß nicht mehr desselben!

Wenn Sie ein Kleidungsstück in einer Farbe tragen wollen, die Ihnen nicht so ganz gut steht, dann auf keinen Fall mit mehr desselben kombinieren. Dann passen zwar Kleidungsstücke und Accessoires wunderbar zueinander, aber der ganze Look immer weniger zu Ihnen.

Regel Nr. 2: Mit guten Farben brechen!

Astrid Windfuhr, Koeln, 2020.Kombinieren Sie das Kleidungsstück in der weniger geeigneten Farbe mit ein oder zwei Ihrer allerbesten Farben. Kümmern Sie sich dabei nicht darum, ob diese Farben jetzt nach Mainstream-Geschmack zusammenpassen. Es geht nur darum, dass ein bis zwei Elemente hinzukommen, die etwas für Sie tun. Schwarz und Petrol gehören zu meinen besten Farben, deshalb habe ich sie zu der wiesengrünen Bluse addiert. Und voila! Dadurch gewinne ich erheblich an Klarheit und Präsenz. Wichtig ist, dass die guten Farben in Gesichtsnähe platziert werden. Am besten ist es, wenn sie zwischen Gesicht und dem Kleidungsstück in der heiklen Farbe sitzen.

Regel Nr. 3: Auch die richtigen Make up-Farben werden zu Rettungskräften!

Astrid Windfuhr, Koeln, 2020.Während der ganzen Foto-Session trage ich das gleiche Make-up und auch die Lichtverhältnisse sind gleich. Für das dritte Bild habe ich nur den nudefarbenen Lippenstift gegen ein intensives, klares Fuchsia ausgetauscht. Toller Effekt, nicht wahr? Mein Gesicht wirkt wie noch einmal scharf gestellt. Nude ist nämlich ebenfalls nicht meine Farbe. Wie das Wiesengrün hat es einen Gelbstich und außerdem ist es zu hell und zu blaß für mich. Nur ein Lippenstift in der richtigen Farbe kann also schon viel zum Guten wenden!

Welche Farben Ihre individuelle Präsenz verstärken, klärt eine Farbberatung. Sprechen Sie mich dazu gerne an.


Videomeeting: Tipps für Ihren Auftritt

Sie betreten pünktlich, gesprächsbereit und voller konstruktiver Ideen den virtuellen Konferenzraum, Kamera und Mikrofon sind eingeschaltet. Irgendwo geht dann ein kleines Fenster auf, in dem Sie sich selbst sehen. Und in dem Moment kommt der Schock: Ach du liebe Zeit! Ich sehe ja furchtbar aus! Wer dieses Erlebnis noch nie hatte, schreibe bitte den ersten Kommentar!

Tatsächlich sind die Bilder, die die Kamera des Laptops von uns macht, objektiv nicht sehr schmeichelhaft. Hier verrate ich Ihnen jedoch ein paar Tipps, wie Sie in einem virtuellen Meeting dennoch gut aussehen.

1. Kommen Sie aus der Deckung!

Astrid Windfuhr, Koeln, 2020.Wenn Sie das oben beschriebene Schock-Erlebnis hatten, haben Sie eine Sache zumindest schon richtig gemacht: Sie haben sich gezeigt! Das ist ein guter, goldrichtiger Anfang! Denn in einem Videomeeting geht es genau darum, dass man sich zeigt! Sonst könnte man ja auch eine Telefonkonferenz abhalten. Leider ist das Sich-Zeigen jedoch noch nicht selbstverständlich. Manche Teilnehmer blockieren die Kamera und verschanzen sich sich hinter einem schematischen Icon. Das ist in der Wirkung jedoch weitaus schlimmer, als ein paar Jahre älter auszusehen: „Was hat der/die zu verbergen?“, fragen sich da die anderen. Also: Seien Sie tapfer und zeigen Sie sich! Das ist für die restlichen Teilnehmer immer noch die angenehmste Lösung. Außerdem wirkt es einfach souveräner.

2. Die richtige Kleidung

Ein Grund, warum sich Teilnehmer vielleicht verstecken: Sie haben erst zwei Sekunden vor Beginn des Meetings festgestellt, dass sie noch im Pyjama sind … „Homewear“ ist tatsächlich nicht der Dresscode für das virtuelle Meeting. Ziehen Sie unbedingt etwas an, womit Sie auch ins Büro gehen könnten. Wählen Sie aber eher ein Freitags- als ein Mittwochs-Outfit, denn ein formaler Business-Look mit Blazer oder gar Krawatte ist am heimischen Schreibtisch nun auch wieder nicht glaubwürdig. Da die Laptop-Kamera uns sowieso schon blass und knautschig wirken lässt, kommt es bei der Kleidung ganz besonders auf vorteilhafte Farben an. Dazu zwei grundsätzliche Tipps: 1. Wenn Sie von Natur aus dunkle Haare und dunkle Augen haben, tragen Sie eher dunkle Farben. Menschen mit hellen Haaren und hellen Augen sehen umgekehrt in hellen Farben besser aus. 2. Meiden Sie Beige, Orange und Erdtöne. Diese Farben lassen ca. 97% der mitteleuropäischen Menschen müde und kränklich aussehen. Vermeiden Sie außerdem kleine Muster und kleinteiligen Schmuck, beides geht im Pixel-Salat unter.

3. Das Make up

Da die Laptop-Kamera Gesichter oft wie einen Klumpen blassen Kuchenteig aussehen lässt, ist Schminken eine gute Maßnahme. Sorgen Sie für Kontrast und Kontur, indem Sie Augen und Lippen betonen. Und ganz wichtig ist Rouge: Das macht frisch!

4. Kameraposition und Beleuchtung

Virtuell1 KopieDie Schreibtischlampe ist beim Videomeeting leider nicht unser bester Freund. Der Grund: Sie sendet das Licht von seitlich oben, das lässt Gesichter fahl aussehen und bringt irritierende Spiegelungen auf Brillengläser. Am besten ist Tageslicht oder eine indirekte Lichtquelle, die von einer Position hinter der Kamera ins Gesicht scheint. Außerdem sollte das Kameraauge im Laptop auf Höhe der (eigenen) Augen gebracht werden, notfalls mit ein paar Coffeetable-Kunstbänden, die Sie unter den Laptop schieben. Auf diese Weise entsteht so etwas wie Blickkontakt mit den anderen Teilnehmern, Sie wirken selbstbewusst, aber nicht „von oben herab“ – und das Doppelkinn ist auch weg. Das Bild direkt über diesem Absatz ist mit meiner Laptop-Kamera so wie beschrieben aufgenommen. Ich finde: So geht’s! Und noch ein Extra-Tipp: Lebhafte Gestik stößt schnell an die Grenzen des Bildausschnitts, Stillhalten wirkt souveräner.

5. Hintergrund

Was befindet sich hinter Ihrem Schreibtischstuhl? Ein unaufgeräumtes Regal? Gammelige Ordner und chaotische Papierstapel? Herabhängende Kabel? Kitschige Urlaubs-Souvernirs? Auch wenn Sie selbst diese Interieur-Design-Schwachstellen schon vor Jahren verdrängt haben, die Laptop-Kamera zeigt all das Zeugs ohne Erbarmen! Besser: Eine schlichte Wand oder ein schönes gepflegtes Bücherregal. Ein interessantes Stilmittel sind auch Bilder oder Zitate. Die können Sie sogar für Ihre Gesprächsziele nutzen: Sie werden nämlich als eine Art Überschrift gelesen für alles, was während der Videokonferenz passiert. Bei einem meiner ersten virtuellen Meetings war ich erstaunt über die Offenheit aller Teilnehmer für unkonventionelle Ideen. Einige Tage später sprach mich jemand aus dem Kreis auf eine Karte an, die hinter meinem Schreibtisch an die Wand gepinnt ist. Darauf steht ein Zitat von Albert Einstein, es lautet: „Wenn eine Idee nicht zuerst absurd erscheint, taugt sie nichts.“

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Du oder Sie? – Teil 3: Arbeitsplatz ist anders!

Wir betreten jetzt einen sehr spannenden Ort, der zwar nicht privat ist, an dem ein „Sie“ aber dennoch unpassend sein kann: den Arbeitsplatz. Aus einem mittelgroßen, eigentlich ziemlich konservativem Unternehmen habe ich kürzlich folgendes gehört: Die Geschäftsleitung hatte plötzlich und unerwartet einen Frühling der Herzlichkeit ausgerufen, was bedeutete, dass alle Führungskräfte ihren Mitarbeitern das „Du“ anbieten mussten. „Also, das Angebot zum Du von meinem Chef fand ich echt gewöhnungsbedürftig, weil unser Verhältnis bisher eher distanziert war“, sagt ein Mitarbeiter. „Aber ich will meinen Chef nicht vor den Kopf stoßen, deshalb mache ich eben einfach mit.“

Diese kleine Geschichte offenbart das ganze Dilemma der neuen Lässigkeit am Arbeitsplatz. Das Dilemma hat drei Facetten:

1. Ablehnen ist schwierig 

Wenn sich alle Kollegen untereinander duzen und eine Person das ablehnt, ist diese Kollegin/dieser Kollege draußen, hat sich quasi selber aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Das ist im besten Fall einsam und langweilig, im schlimmsten Fall der Beginn eines Mobbings. Davon ist also dringend abzuraten! Da suchen Sie sich besser gleich einen anderes, kühleres Arbeitsplätzchen. Soweit zu Kollegen auf der gleichen Ranghöhe, aber was ist mit Chef oder Chefin, die Ihnen das „Du“ anbieten? Hier kommt ein Hierarchiegefälle ins Spiel. Laut „Knigge“ darf man das „Du“ auch da höflich ablehnen. Die Zurückweisung kann der „Du“-Anbieter jedoch als Demütigung empfinden. Und wer will dafür schon Punktabzug beim Chef riskieren? Tipp für Chefs und Chefinnen: Bevor Sie das allgemeine „Du“ verordnen, sollten Sie sich fragen, ob es auch wirklich zu Ihrem Führungsstil passt. Am besten tragen Sie ein „Du“ zu demokratischer oder agiler Führung. Tipp für Mitarbeiter, die sich auf das „Du“ gern eingelassen haben: Lesen Sie Abschnitt 3. Tipp für Mitarbeiter, die mehr Distanz möchten: Lesen Sie Abschnitt 2.

2. Individuelle Grenzen respektieren

Du_SchutzraumJeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin hat andere Bedürfnisse. Manche Menschen brauchen ein „Du“ um sich wohlzufühlen. Darauf einzugehen kann wundervolle Erlebnisse der Kategorie „Da geht ja doch noch was!“ bescheren. Andere Mitarbeiter brauchen mehr Distanz. Seien Sie im direkten Kontakt vorsichtig und aufmerksam. Beobachten Sie doch mal, was andere Menschen tun, wenn Sie in Ihre Nähe kommen. Sehen Sie da ein Augenlid zucken? Oder macht jemand gar einen Schritt rückwärts, wenn Sie auf den Plan treten? Was das bedeutet? Das sind ernste Zeichen dafür, dass eine Grenze verletzt wurde.

Und wenn Ihnen umgekehrt jemand zu nahe kommt, dann hoffen Sie lieber nicht darauf, dass derjenige das von alleine merkt. Sondern trauen Sie sich doch mal was! Sagen Sie freundlich: „Das passt für mich einfach nicht.“ Vielleicht wären die Führungskräfte im eingangs erwähnten Unternehmen sogar froh, wenn sie mal wieder jemanden siezen dürften. In diesen lässigen Zeiten müssen Grenzen immer wieder neu ausgehandelt werden. Beides – das „Lesen“ von Zeichen sowie eine beziehungswahrende Formulierung von Ablehnung lässt sich in Trainings lernen und üben. Ich nenne das „Knigge agil“.

3. Hierarchie und Rolle

Hierarchien in deutschen Unternehmen werden flacher. Dabei ist das allgemeine „Du“ quasi das Ostfriesland in der betrieblichen Beziehungskultur. Kann man auf jeden Fall machen! Jedenfalls wenn man sich vorher vergewissert hat, dass zumindest die Mehrheit der Mitarbeiter das begrüßt (siehe oben). Im Englischsprachigen Raum – wo es gar kein Sie gibt –  klappt’s ja schließlich auch! Wichtig ist nur eins: Den Mitarbeitern muss klar sein, dass der Chef trotzdem kein Kumpel bzw. die Chefin keine BFF (Best Friend Forever) ist, sondern nach wie vor Chef oder Chefin. Auch Chefin und Chef müssen sich darum kümmern, dass das klar ist. Dann wird es funktionieren. Und auch in deutschen Unternehmen habe ich schon einige (junge) Mitarbeiter kennengelernt, die trotz 360_Grad-Du ein glasklares Rollenbewusstsein haben. Hut ab! Und Willkommen in Ostfriesland!

Du_Ostfriesland_flach

Du oder Sie? – Teil 1: Neulich im Hotel

Du oder Sie? – Teil 2: Eine Image-Frage