Scheitern mit Stil

Abkürzungen liegen ja total im Trend. Wissen Sie, was eine BFF ist? Das steht für „Best Friend Forever“. Und neben den seit langem bekannten VIPs gibt es jetzt zum Beispiel auch MVPs, „Most Valuable Players“ – das sind die teuersten Fußballspieler im Verein. Aber wofür steht BDFPE? Das heißt ausgeschrieben „Best Dressed Female Politican Ever“ und ist eine Wortschöpfung von mir – für Theresa May. 

Therers May 1Schon in wenigen Tagen wird sie die politische Bühne verlassen und eine EBPM (Ex-British-Prime-Minister) sein: Als Politikerin mit dem Brexit auf dem Holzweg, am Austrittsvertrag auch noch kläglich gescheitert – aber als Stilikone wegweisend. Während Angela Merkel und Hillary Clinton gerade mal passabel aussehen und Franziska Giffey dringend eine Beratung braucht, erfüllt sie den Dresscode einer Premierministerin mit Klasse, reizt ihn aber bis an die Grenzen aus, um zu zeigen, was alles noch geht. Was macht ihren Stil so besonders, so elegant? Ich möchte Theresa Mays letzte Tage im Amt nutzen, um ihr Stilrezept zu erklären:

  1. Jacken mit besonderem Schnitt: Wie andere Politikerinnen trägt Theresa May auch Kostüme und Hosenanzüge. Aber was für welche! Keine langweiligen Kopien von Männeranzügen, sondern raffiniert-elegante Varianten mit abgerundeten Kanten, drapierten Kragen und geschlitzten und gefalteten Schößen (Foto unten).
  2. Kräftige Farben hat Angela Merkel in die weibliche Politik-Mode eingeführt. Theresa May nutzt diese Knall-Effekte aber noch besser durch monochrome Looks und die Wahl von Farben, die ihr auch wirklich stehen, z. B. Royalblau.
  3. Die Hemdbluse gehört zum gängigen Polit- und Business-Style wie das Wasserglas zum Redner-Pult – und sieht meist auch ebenso fad aus. Theresa May trägt einfach keine! Stattdessen hält sie sich an feine Tops oder Kleider. Dafür gibt es das Prädikat Lady!
  4. Besondere Schuhe: Zu ihrer Amtseinführung trug sie Leo-Pumps, später wurde sie mit Schmucksteinen oder roten Absätzen am Schuh und sogar in Overknee-Stiefeln gesichtet. Das nenne ich Mut am Fuß!
  5. Großer Statement-Schmuck: Selbst die Karikaturisten haben nach einer gewissen Anlaufzeit dieses Markenzeichen von Theresa May erkannt. Großer Schmuck hat einfach Grandezza – vor allem an großen Frauen.

Die Aussage dieser Outfits: „Die traut sich was!“ oder „Hoppla, hier komm ich!“ Ein empfehlenswertes Kleidungs-Konzept auch für Politikerinnen und Businessfrauen hierzulande. Aber wiederholen Sie dabei nicht die Fehler der BDFPE, sondern achten Sie unbedingt auch darauf, zukunftsfähige Inhalte, eine belastbare Strategie und ein starkes Rückgrat zu entwickeln. Sonst wirkt die große Kette – wie am Ende bei Theresa May – nicht mehr wie ein Statement, sondern eher wie eine schwere Fessel.

Theresa May2


No Dresscode – Was nun?

Zuerst Daimler, dann Rewe und jetzt auch bei der New Yorker Investmentbank Goldman-Sachs: Der klassische Business-Dresscode ist aufgehoben! Bei Start-ups und in der IT-Branche heißt es eh schon länger: „Das Anzug- und Krawatte-Spiel machen wir nicht mit!“ Jetzt gilt also auch bei Konzernen: No Dresscode. 

Foto_DresscodeAber was nun anziehen? Die klassischen Kleiderregeln waren leicht zu befolgen: Anzug plus helles Hemd plus Krawatte plus schwarze (!), feine Lederschuhe. Eine Uniform, hinter der Mann sich gut verstecken konnte. Ein Dresscode ist tatsächlich so etwas wie eine Formel, die die in einem bestimmten Umfeld erwünschte Kleidung beschreibt. Dresscodes können explizit formuliert werden (z. B. „Black Tie“auf der Einladung zu einer Gala) oder auch etwas unausgesprochen Übliches sein.

Fällt jetzt der gesetzte Rahmen durch die Business-Formel weg, besteht die Gefahr, dass routinierte Anzugträger stilistisch ins Bodenlose fallen. Sind die Alternative Jeans und Schlabberpullover, mit der der Manager samstags einkaufen geht? Weil sie wohl ahnen, dass es das nicht sein kann, halten zumindest in den deutschen Führungsetagen die Herren bei der neuen Lässigkeit den Ball flach: Sie tragen ihre gewohnten Anzüge und Hemden und lassen einfach nur die Krawatte weg. 

Die neue Freiheit zeigt sich als Lücke

Damit haben sie aber einen neuen Dresscode entwickelt. Die Formel lautet jetzt: Anzug plus weißes Hemd minus Krawatte. Die neue Freiheit zeigt sich hier also nur in Form einer Lücke. Schade! Auch deshalb, weil das weiße Hemd ohne Krawatte vitale Alpha-Tiere plötzlich blässlich aussehen lässt. Weiß ist leider eine Farbe, die nur wenigen Menschen gut steht. Bei der bislang gültigen Männeruniform wurde die bleichende Wirkung von weißen Hemden durch die farblich meist dunklere und kräftigere Krawatte abgemildert. Jetzt fehlt da etwas …

Freiheit und Individualität sehen anders aus. Jaaa, in der Post-Dresscode-Ära geht es mehr denn je darum, eine individuell stimmige Kleider-Lösung zu finden! Wenn die vorgeschriebene Uniform keine Entschuldigung mehr bietet für Kleidungsstücke, die dem Träger oder der Trägerin nicht stehen, dann müssen karriereinteressierte Menschen die Entdeckungsreise zum eigenen Stil antreten. Welche Farben? Welche Materialien? Auch Muster? Welche Kleidungsstücke und Accessoires überhaupt? Moderne Business-Kleidung passt zur Persönlichkeit und zu den eigenen Farben und Körperstrukturen.

Tipps für Männer

  • Probieren Sie unbedingt neue Hemdenfarben aus. Alles, was dunkler und bunter ist als Weiß. Vorschlag für Vorsichtige: Nehmen Sie ein strahlend hellblaues Hemd, die Farbe steht relativ vielen Menschen gut, also wahrscheinlich auch Ihnen.
  • Ziehen Sie ganz neue Kleidungsstücke in Betracht, um Ihre Individualisierung voranzutreiben: Pullover und Pullunder, Lederjacken und hochwertige (!), gut sitzende T-Shirts, schöne Schals, gut sitzende Westen, falls Sie ein klassischer Typ sind.

Tipps für Frauen

Für Frauen ist die neue Lässigkeit etwas einfacher, da ihre Kleidervorschriften schon immer mehr Varianten zugelassen haben. Aber auch für Frauen bietet die neue Lässigkeit Fallstricke, die ihr Image als ernsthafte Führungskraft beschädigen können:

  • Vermeiden Sie im beruflichen Kontext unbedingt alles Niedliche wie z. B. Blümchen und kleine Rüschen.
  • Experimentieren Sie stattdessen lieber mit kräftigen Farben und derb-stabilen Schuhen, die strahlen Autorität aus.

Overknees: Holly goes ligthly to business

Vor einigen Tagen war ich zu einer Veranstaltung eingeladen, bei der ein Unternehmen eine Auszeichnung verliehen bekam. Es war eine ganz normale Business-Veranstaltung am Nachmittag. Zwei Frauen, die dabei in vorderster Reihe standen (die eine eine Staatssekretärin!), trugen eine Kombi aus Mini-Rock und Overknee-Stiefeln. Zu meiner eigenen Überraschung fand ich das nicht nur schick, sondern sogar völlig in Ordnung für den Anlass.

Overknees_4Overknee-Stiefel sind in diesem Winter ein breiter Trend: Von Deichmann bis Balenciaga finden sie sich in jeder Kollektion. Dennoch betrachtete ich sie bis zu jenem Nachmittag doch eher als ein Accessoires für Groupies oder Dominas. Wegen der drohenden Gefahr einer vulgären Note habe ich im beruflichen Umfeld immer kategorisch von Overknees abgeraten. Das eine Mal, dass die modebewusste Theresa May welche trug, kombinierte sie sie ja auch sicherheitshalber mit einem Rock, der lang genug war, das obere Ende der Stiefel zu verdecken. Aber – echt jetzt – zum Minirock und das bei einem Business-Event, einem quasi öffentlichen Auftritt?

So „entschärfen“ Sie die gefährlichen Stiefel

Um mein ausbleibendes Entsetzen zu verstehen, habe ich die Erscheinung der beiden Business-Ladies genauer studiert: Mir fiel auf, dass sie beide sehr schlank sind und wenig Kurven haben. Dadurch wirkte der Look nicht provokant sexy, sondern erinnerte eher an die raffiniert elegante Ästhetik der langen Handschuhe von Audrey Hepburn alias Holly Golightly in „Frühstück bei Tiffany“.

Folgende Tipps, wie sich Overknees für den Business-tauglichen Einsatz noch „entschärfen“ lassen, habe ich aus meiner Betrachtung abgeleitet:

  • Die Stiefel sollten flach sein oder nur einen niedrigen Absatz haben.
  • Insgesamt sollte der Stiefel möglichst schlicht und von dunkler Farbe sein, am besten aus Wildleder, das ist eleganter als „rockiges“ Glattleder.
  • Auch den Rest des Outfits schlicht, edel und ladylike halten, z. B. Etuikleid oder leicht ausgestellter Rock mit einem hochgeschlossenen, langärmeligen Oberteil.
  • Die Strumpfhose muss dunkel sein und am besten blickdicht.

Ja, stimmt, supersexy ist das Outfit bei Befolgung dieser Vorsichtsmaßnahmen nicht mehr. Aber wenn Sie beim Styling der Overknees so vorgehen, können Sie Ihre Business-Garderobe um ein spannendes Teil und Ihr Image um einige interessante Aspekte bereichern: Neben der Erinnerung an die smarte Holly Golightly kommunizieren Sie damit auch einen Touch von Robin Hood und Lederstrumpf. Sie machen klar: Ich weiß mich zu verteidigen, ich trau mich was und ich kämpfe für eine gute Sache! Und das kann Ihrer Karriere nur nützen …


Neue Zeiten dämmern hellblau

Macron_Paar KopieParis ist die Hauptstadt der Mode und wenn dort ein neuer Präsident ins Amt eingeführt wird, fallen die Blicke deshalb ganz besonders auf die Kleider seiner Frau. Bei der Amtseinführung von Emmanuel Macron war ich ganz in der Nähe: Zufällig habe ich gerade dieses Wochenende in Paris verbracht. Wenn ich auch der Zeremonie nicht live an der Champs Elysee beigewohnt habe, sondern am Fernseher meiner gastgebenden Pariser Freundin. Da ich kein Wort der Kommentatoren verstand, konnte ich mich voll und ganz auf die optische Erscheinung von Madame Brigitte konzentrieren: Das hellblaue, strenge, hochgeschlossene Kostüm von Louis Vuitton fand grundsätzlich meine Zustimmung. Es passte, wie auch Make up und Accessoires sowohl zur Frau, als auch zum Anlass.

 

Es geht auch leichter
Macron_allein Kopie
Aber die Details … Auch sehr zierliche Menschen haben Proportionen! Und die haben im Fall von Brigitte Macron ihre Ausdehnung eher am Oberkörper. Deshalb sollte sie keine Oberteile tragen, die den Oberkörper kompakt bzw. massiger wirken lassen. Das scheint auch den Leuten von Louis klar gewesen zu sein, denn sie haben ihr ein Kostüm empfohlen, dessen Jacke zwei vertikale Knopfleisten hat. Die würden den Oberkörper strecken und leichter wirken lassen, wenn  – ja wenn die Jacke geschlossen ist! Offen getragen geht nämlich nicht nur die vorteilhafte Wirkung der Knopfleisten verloren, sondern die doppelte Stoffbreite bauscht sich auch noch unglücklich auf. Vor meinem geistigen Auge sah ich die Stylistin von Louis Vuitton vor dem Fernseher ihre wohlmanikürten Fingernägel verzweifelt in die Sessellehne graben …

Gleiche Farbe, andere Vision
Da ich von diesem Drama aber nicht betroffen bin, schaue ich weiter entspannt der Zeremonie zu und lasse meine Gedanken schweifen. Da hakt sich plötzlich etwas in meinem Hinterkopf fest: Natürlich, die Farbe Hellblau! Die haben wir doch kürzlich bei einem ähnlichen Ereignis gesehen – an Melania Trump. Bei der Amtseinführung ihres Mannes trug sie ein ebenfalls hellblaues Jackenkleid von Ralph Lauren. Ein Outfit, dass – ganz im Gegensatz zur Politik ihres Gatten – in seinen Proportionen übrigens einfach perfekt war.

Die farbliche Übereinstimmung muss auch Brigitte Macron selbst bewusst gewesen sein. Warum also hat sie´s dennoch getan? Interessant ist folgende politische Parallele: In beiden Ländern ging es bei den Präsidentschaftswahlen um den Wunsch breiter Wählerschichten nach grundlegender politischer Erneuerung. Sollte die Farbe Hellblau in ihrer kühlen, leuchtend hellen Frische ein Versprechen dafür sein? Während es in den USA so aussieht, als ob der Präsident höchstens das Blaue vom Himmel runter lügt, scheint in Frankreich wirklich eine Wende heraufzudämmern. Damit hätte Brigitte Macron die Farbe Hellblau vollständig rehabilitiert und ich könnte darüber hinwegsehen, dass die Jacke aufgeknöpft war.

Tipps zum typgerechten Hellblau-Styling
Sind Sie inspiriert? Sie wollen sich anschließen und auch mit hellblauer Kleidung Aufbruchsstimmung demonstrieren? Gute Idee, denn Hellblau steht tatsächlich vielen Menschen gut oder wenigstens einigermaßen gut. Am besten sieht es an blau- oder grauäugigen Blondinen aus. Tipp für dunklere Typen: Kombinieren Sie Hellblau mit Schwarz. Männer wirken übrigens im Business im hellblauen Hemd meistens lebendiger als in einem reinweißen. Machen Sie neue Erfahrungen mit Hellblau!


Frauen, Macht und Mode: Kleidung spricht!

Frauen. Macht. Mode.Was sagt unsere Kleidung über unser Selbstverständnis? Können wir über unsere äußere Erscheinung zum Beispiel Macht oder Kompetenz demonstrieren? Das war eine der Fragen, die die Modejournalistin Christel Wickerath (im Foto rechts) bei der Veranstaltung „Frauen.Macht.Mode.“ auf Einladung von 9 Kölner Frauennetzwerken mit der Bloggerin Ninia LaGrande, der Modedesignerin Heidi Beck und mir als Kommunikations- und Stilberaterin (v. li.) diskutiert hat. Ein Anlass für mich, auch hier im Blog meine Sicht auf das Thema zu erklären.

Kleidung ist eine Sprache! Und jedes einzelne Teil ein Zeichen, das bestimmte Informationen enthält. Das gesamte Outfit als Summe dieser Zeichen hat eine komplexe Botschaft, erzählt eine Geschichte. Kleidung spricht über unseren Beruf, unseren sozialen Status, unser Einkommen, unseren Geschmack, unseren Lebensstil und unsere Werte. Und, und und …

Beispiele aus dem „Wörterbuch“ der Kleidung:

  • Klassisches Kostüm oder Anzug mit weißer Bluse – arbeitet im Management bei einer Bank.
  • Künstlich verlängerte, bunt gemusterte Fingernägel – heißt vielleicht Chantal oder Vanessa, hat eher kein Abitur
  • Polo von Lacoste zu Armani-Jeans – will auf keinen Fall einen Fehler machen
  • No Name-Klamotten von der Caritas – ihr/ihm sind andere Dinge wichtiger als Kleidung
  • Nadelstreifen-Jackett zu Jogginghose – Hornhaut auf den Geschmacksnerven oder Fashionista im fortgeschrittenen Stadium

Aber wer sagt denn, dass das jetzt auch stimmt? Gute Frage! Die Bewertung und Einordnung von äußeren Zeichen erledigt unser Unbewusstes, ganz still und innerhalb weniger Sekunden. Dabei gleicht es das aktuelle Bild mit bereits gemachten Erfahrungen ab. Sind also z. B. in seiner mentalen Datenbank ausreichend Bilder von Bankmanagerinnen hinterlegt, die klassische Kostüme tragen, wird dieses Outfit mit dem Beruf verknüpft. Aus der Sicht des „Erfahrungsrechners“ ist dieser Zusammenhang wahrscheinlich, auch wenn er im Einzelfall vielleicht gar nicht zutrifft. Diese Erkenntnisse stammen übrigens aus der sogenannten „Intuitionsforschung“.

Und was nützt dieses Wissen jetzt uns ambitionierten Frauen? Wir sollten souverän mit diesem Mechanismus spielen und uns aus dem Angebot an Kleidung das passende Vokabular für unsere individuelle Botschaft heraussuchen.

So lässt sich Stärke über die äußere Erscheinung ausdrücken:

1. Individuell und weiblich bleiben: Eine Frau in dunklem Hosenanzug und weißer Bluse sieht aus wie ein Mann, dem was fehlt – nämlich die Krawatte. Frauen sind aber keine defizitären Männer, sondern anders, und das darf man auch sehen. Deshalb auch im Business mal knallige Farben tragen oder Kleider. Wenn doch Hosenanzug oder Kostüm, dann probieren Sie ungewöhnliche Schnitte und Stoffe oder tragen Sie dazu ein feminines Oberteile statt Hemdbluse.

2. Sich Aufwerten: Früher inszenierten Herrscher ihre Macht durch voluminöse und kostbare Kleidung und ebenso kostbare Accessoires wie ein goldenes Zepter, ein Bischofsstab etc. Dieses Prinzip funktioniert auch heute noch. Sichtbar hochwertige und großzügig geschnittene Kleidung oder Statussymbole wie z. B. Designer-Handtaschen sind die neuen Zeichen der Macht. Wenn das Budget für Prada und Armani nicht reicht, nehmen Sie einfach etwas anderes, das groß und ein bisschen ungewöhnlich ist.

3. Regeln brechen: Wer das Sagen hat, kann auch die Regeln ändern. Dass Sie das Sagen – oder zumindest ihren eigenen Kopf haben, zeigen Sie mit Dresscode-Brüchen. Kombinieren Sie zu der in Ihrem beruflichen Umfeld üblichen Business-Kleidung einzelne „störende“ Teile, z. B. Sneakers, ein T-Shirt mit Motiv, opulenten Schmuck oder eine Folklore-Tasche. Das sollten aber wirklich nur einzelne Elemente sein, sonst lautet die Gesamt-Aussage Ihres Outfits eher „Ich bin im Urlaub.“

Ein Tipp noch zum Schluss: Denken Sie daran, dass jedes einzelne Teil, das Sie für Ihre Botschaft einsetzen, auch stimmig zu Ihrem Typ sein sollte, damit das ganze Outfit überzeugt.

 


Clutch und Tratsch

Besitzen Sie eine Clutch? (Das sind diese kleinen Handtaschen, die wie Pralinendosen oder etwas größere Portemonnaies aussehen und bei denen der Henkel entweder Purismus oder einer Sparmaßnahme zum Opfer gefallen ist.) Sind Sie außerdem ein Kontrollfreak? Dann dürften Sie es schwer haben. Haben Sie schon mal überlegt, was mit so einer völlig losgelösten Tasche alles passieren kann? Natürlich, sie kann im Restaurant oder an der Bar liegenbleiben, mit Geld, Schlüssel, Lippenstift und Glückskeks drin. Aber denkbar ist noch viel Schlimmeres …

Szenario 1: Disco oder Tanzparty
Nach einem schlechten Lauf mit monotoner House-Musik spielt der DJ Katy Perrys „Roar“. Sie knallen das kleine Hartschalen-Etui, das Sie eigentlich schon den ganzen Abend genervt hat, auf den Stehtisch und stürmen mit strahlenden Augen die Tanzfläche. In der Zwischenzeit macht sich der Kellner über den verlassenen Stehtisch her … Glauben Sie, dass einer, der gewohnheitsmäßig halb volle Gläser mitnimmt, beim Aufräumen vor etwas halt macht, das im Dunkeln wie eine Butterbrotdose aussieht?

Immer schön festhalten!

Immer schön festhalten!

Szenario 2: Networking-Event
Am anderen Ende des Saals sehen Sie Herrn Dr. Stahlmann, dem Sie Ihre brandneue, einzigartige Software zur Steuerung von Metallverspanungs-Maschinen verkaufen wollen. Sie lassen Champagner, Essen und Clutch liegen, stürzen zu Dr. Stahlmann, wickeln ihn ein – und er beißt an! Eine Stunde später stellen Sie fest, dass Ihre Tasche weg ist. Da fällt Ihnen ein: Der Programmierplan war da drin! Ach ja, und dieses Event wurde ausgerichtet vom Bundesverband deutscher Software-Entwickler!

Szenario 3: Mikroben-Biotop
Eine Dame spricht nicht darüber, aber dennoch gibt es sie an den gediegenstes Orten: Ungepflegte Toiletten. Eine Clutch lässt sich weder an der Türklinke noch an einem Haken aufhängen …

Eine Clutch ist eine Tasche, die immer schön umklammert sein will, „to clutch“ heißt nicht umsonst auf Deutsch „fest greifen“ oder „packen“. Aber ist so eine Tasche wirklich gut für eine intelligente Frau mit Zielen? Immer ist ein Teil des mentalen Arbeitsspeichers belegt mit dem GPS-Programm zur Taschen-Ortung. Wenn Sie aber etwas Gescheites sagen wollen, im richtigen Moment und mit starken Gesten, dann brauchen Sie den Support von Ihrem ganzen Kopf und beiden Händen! So gesehen knabbert die Clutch an unserer Kompetenz. Verschwörungstheoretikerinnen würden sagen: Diese Tasche haben sich Männer ausgedacht!

Deshalb empfehle ich als Stilberaterin allen Frauen, die nach oben wollen, eine barrierefreie Handtasche: eine Umhängetasche oder noch besser eine Crossover-bag. Damit haben Sie größtmögliche Bewegungsfreiheit, die können Sie nie verlieren – und Sie können sich notfalls auch damit prügeln!


Gute Farben, schlechte Farben

„Grün hebt“, „Apricot schmeichelt dem Teint“ und „Indigo steht einfach jeder Frau“ – das sind Sätze, die ich einst von Tante Jenny gehört oder kürzlich im Modeteil von Frauenzeitschriften gelesen habe. Wenn zwei so unterschiedliche Quellen jeweils pauschale Regeln über Farben aufstellen – und das mit Überzeugung und über Jahrzehnte ungebrochen – heißt das dann, dass solche Urteile stimmen?

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Schlechte Farben für mich …

Apricot ist gefährlicher als Sie denken …
Aus meiner Sicht als Farbberaterin handelt es sich bei den zitierten Sätzen um zwei falsche und eine – fast – richtige Aussage. Am falschesten ist das mit Apricot. Sicher, die meisten von uns hätten gerne zart schimmernde Wangen wie Wonneproppen Katy Perry in einem Hauch von Trockeneisnebel. Der Umkehrschluss aber – also zu hoffen, dass eine Bluse in Apricot für ebensolche Wangen sorgt, ist heimtückisch! Bei den meisten Menschen bewirkt sie nämlich das Gegenteil, sie lässt die Haut fahl und die Augen müde wirken. Warum? Das liegt an dem hohen Gelbanteil dieser Farbe, der ist für die Mehrheit von uns leider nicht das Gelbe vom Ei (siehe auch Foto links).

Ziemlich wahr ist hingegen der Satz über Indigo, jenes tiefe, matte Blau mit einem Schuss Violett. An fast allen Frauen und Männern in Mitteleuropa sieht es einigermaßen, und an vielen sogar richtig gut aus. Mit Grün ist das dann wieder so eine Sache. Erst einmal stellt sich die Frage: Was für ein Grün haben wir vor uns? Hell, dunkel, gelblich oder bläulich? Die Unterschiede können für das Individuum verheerend sein …

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Gute Farben für mich!

Die richtigen Farben machen 3 bis 5 Jahre jünger
Des einen gute ist des anderen schlechte Farbe. Wenn Sie herausfinden wollen, welche Ihnen wirklich stehen, dann hilft eigentlich nur eine professionelle Farb-Analyse. Aber – ich verrate Ihnen hier, wie Sie sich auch ein wenig selbst helfen können: Achten Sie in verschiedenfarbigen Kleidungsstücken auf Unterschiede im Gesicht. In welcher Farbe strahlen Augen und Haut frischer? Und kann es vielleicht sein, dass Sie beim Tragen von manchen Blusen, Shirts oder Pullis plötzlich Schatten unter Ihren Augen entdecken? Oder eine harte Linie rechts und links zwischen Nase und Mund (Fachbegriff: Nasobialfalten)? Keine Sorge, das ist nicht der wahre Zustand Ihres Gesichts! Es liegt auch nicht am Streß oder dem Alter. Es ist die Farbe, und zwar die falsche! Die richtigen Farben machen 3 bis 5 Jahre jünger, verleihen Ihnen Präsenz und Frische. Sie lassen kleine Schönheitsfehler in den Hintergrund treten – und alle Tanten und Pauschal-Experten, die behaupten „Apricot schmeichelt dem Teint“ einfach verstummen!